Die Geschichte von der Wüstenblume

Ein junger Mullah reiste durch die Wüste. Eines Tages fand er eine Blume, die dort blühte, so schön und einzigartig, dass ihn sein Herz schmerzte vor Glück. Er sah die Blume an, die dort ganz allein im Wind wehte und er lebte für ein paar Sekunden für diese Blume, die ihn anleuchtete. Er war geneigt, die Blume abzureißen und sie mitzunehmen, und er griff schon danach, als ihn plötzlich Zweifel überkamen. Für einen Moment lang war er wie gelähmt, wollte er ja die Blume ergreifen und war doch unfähig es zu tun. Ihm fiel ein, wie schwer es sein würde, einen solchen Moment mit dieser Blume erneut zu erleben. Er würde sie nicht angemessen pflegen können, er war ein Reisender, und selbst, wenn er sie mitsamt Wurzel und Erde nehmen würde, könnte er sich doch nicht so gut um sie kümmern wie die Wüste selbst. So kam es, dass er sich anders entschied. Er schaute sich die Blume noch einmal genau an, und ein Schmerz durchfuhr sein Herz. Er spürte, dass dies nun der Abschied sein würde und er die Blume für immer aus den Augen verlieren würde. Eine Träne rollte über seine Wange und fiel in den Sand. Und wie die Träne neben der Blume in den Sand fiel, fühlte er das Leben in sich pulsieren und sog voller Glück den Duft der Wüstenluft in sich ein. Er lächelte. Und auch heute noch lächelt er gemeinsam mit seinem Herzen, wenn er sich an die wunderbare Begegnung mit der schönsten Blume erinnert.

Paperplanes Artwork

Black Swan – Ein Meisterwerk

Er hat es wieder getan. Darren Arronofski hat mit seinem neuesten Werk „Black Swan“ einmal mehr bewiesen, dass er ohne Frage zu den weltbesten seines Fachs gehört und es ist nicht weiter verwunderlich, wenn manch einer bei ihm vom vielleicht besten gegenwärtigen Regisseur spricht.

Nachdem ihm mit „The Wrestler“ der vielleicht bemerkenswerteste Film der letzten Jahren gelang, hat er jetzt mit „Black Swan“ einen nicht weniger erstaunlichen, vielschichtigen und vor allem intensiven Film geschaffen.

Der Film erzählt die Geschichte der jungen Tänzerin Nina Sayers (überragend: Natalie Portman), die vom charismatischen Ballettdirektor Thomas Leroy (Vincent Cassell) die Chance ihres Lebens erhält: die Doppelrolle im „Schwanensee“ zu tanzen, also sowohl den unschuldigen weißen als auch den dämonischen schwarzen Schwan gleichermaßen zu verkörpern. Während die junge, fleißige, aber unerfahrene Tänzerin für die weiße Seite wie geschaffen scheint, hat sie Schwierigkeiten, den Gegenpart der Figur in den Griff zu bekommen. Während sie sich mit aller Verbissenheit der für sie nahezu unlösbaren Aufgabe widmet, ihre dunkle Seite zum Vorschein zu bringen, sieht Sie sich mit neuen Problemen konfrontiert: Ihre neue Rolle als Star des Balletts ist ungewohnt und es scheint, als ob von allen Seiten Mißgunst und Neid danach trachten, Sie vom Weg abzubringen. Nina freundet sich mit der neuen, attraktiven Kollegin Lily (Mila Kunis) an, aber ausgerechnet die hat all das, was Nina zu fehlen scheint. Ninas Anspannung wächst, während die Aufführung immer näher kommt. Verzweifelt gibt Sie sich der Suche nach neuen Erfahrungen hin, bei denen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen, denn für sie zählt nur ihre Vollkommenheit.

„Black Swan“ ist nicht nur ein Balletfilm. Black Swan ist vor allem die Geschichte einer psychisch labilen, jungen Frau und ihrer krankhaften Beziehung zur wahnsinnigen Mutter (ebenfalls großartig: Barbara Hershey), deren Lebensmittelpunkt sie ist und aus deren Gefängnis sie bisher nicht ausbrechen konnte. Black Swan ist eine Geschichte über die menschliche Lust nach Entgrenzung, Hingabe, Leidenschaft, Sünde auf der einen Seite und Kontrolle, Disziplin, Fleiß auf dem Weg zur Perfektion auf der anderen.

Es wäre ungerecht, den Film nur einem Genre zuordnen zu wollen, denn er ist vieles zugleich – und darin liegt Arronofskis unglaubliche Fähigkeit. Er spielt fließend zwischen mehreren Genres sein Handwerk so perfekt ab, dass es fast schon beängstigend ist. Sein neuester Film schafft, was kaum ein anderer schaffte: er fesselt ab der ersten Einstellung, er besticht durch äußerst präzise Beobachtung, er beeindruckt durch seine visuelle und erst recht durch seine audiovisuelle Präsens und seine fantastischen Darsteller, er nimmt uns mit auf eine 108 minütige Reise, die uns vorkommt wie ein Wimpernschlag.

Tanzfilm, Drama, Horror, Portrait, – auch komödiantische Szenen – all das vereint Arronofski zu einem düster-erotischen Psychothriller von intensiver Stimmung. Wie gewohnt ist es dabei neben der Bildgewalt vor allem das fesselnde Sounddesign Craig Henighans, der bereits seit „Requiem for a Dream“ stets an der Seite Arronofskis arbeitet. Seine nicht gerade zimperliche Audiokulisse ist fast omnipräsent, zieht sich dicht gedrungen mit Tschaikowskys Schwanensee wie eine Walze durch den ganzen Film und setzt uns immer intensiver Ninas psychischer Verfassung und ihren immer stärker werdenden Wahnvorstellungen aus.  Diese sind Dreh und Angelpunkt des Ganzen und ermöglichen es Arronofski, ohne Schwierigkeiten überraschende Schockelemente des Horrorfilms in seinen streckenweise sehr subtilen Thriller zu bringen.

Arronofski schockt und bringt dennoch zum Lachen: während der großen Abschlußperformance  kreuzt backstage ein Tänzer im  furchterregenden, schwarzen Dämonenkostüm Ninas Weg und sagt nach kurzem Zögern „Hey.“ Daraufhin geht er einfach an der Kamera vorbei: im Kinosaal ein Riesenlacher, weil zu diesem Zeitpunkt jeder bis unter die Haarwurzeln gespannt im Sessel den Atem anhielt – und Arronofski setzt noch einen drauf: im Hintergrund sagt daraufhin ein anderer Tänzer „That sucked.“, womit er die gerade getanzte Passage meint. Hier meldet sich Arronofsky höchstselbst mit einem Augenzwinkern zu Wort und spielt auf das „Hey“ an, bei dem das Publikum den erwarteten Schocker nicht erhielt.

Arronofskis Figuren sind lebendig und stets liebenswert, eben weil er Menschen zeigt. Scheinbar mühelos zieht er gegen Ende seines Films das Tempo an und wartet mit einem furiosen Ende auf. Absolut intelligente Unterhaltung auf höchstem Niveau – Black Swan ist ohne Zweifel ein Meisterwerk.

10 von 10 Punkten!

Potential verpufft

Filmkritik: Tron Legacy 3D

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Die Vorzeichen für Disney neuen Film in der Welt von Tron waren mehr als gut: Jeff Bridges in der Hauptrolle, die Aufarbeitung eines (oder besser: des) kultverdächtigen Cyberästhetik Stoffes aus den Achtzigern in einem neuen, technisch revolutionären Gewand, die Elektro Formation Daftpunk verantwortlich für den Soundtrack – Joseph Kosinski, der Regisseur von Tron Legacy, musste sich schon Mühe geben, um aus seinem ersten Langfilm KEINEN Kultfilm zu machen. Er hat es – sehr zu meinem Leidwesen – dennoch geschafft.

Der Film nervt direkt zu Beginn schon so ein bißchen, wenn wir zum erstenmal der computergeliftetet Version von Jeff Bridges begegnen. Die Animation wirkt in Mitten von Echheit und gegenüber dem realen Schauspieler matt und fade. Okay, sagen wir uns, ein kleiner Schönheitsfehler und noch kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Doch weiter: Nach einer kurzen und nichtssagenden Einführungspassage finden wir uns – völlig unerwartet und leicht überstürtzt im “Grid” wieder – der cyberrealen Welt von Tron. Unser Held Sam Flynn (Garrett Hedlund) ist zu diesem Zeitpunkt ein irgenwie nichtssagender, witzloser Typ, der leider auch in den nächsten 120 Minuten nichts an Charme hinzugewinnt – wohl einer der Gründe, warum Tron Legacy nicht funktioniert. Es folgt ein Haufen Probleme im Grid: Sam wird festgenommen und bedroht, von einem hübschen Überwesen (macht ihren Job gut und ist nicht nur nett anzusehen: Olivia Wild) gerettet, findet seinen verschollenen und meditierenden Vater Kevin (Jeff Bridges hier mal in Natura). Dann passiert eigentlich nicht mehr viel: Sam will seinen Vater zurück in die Realität holen, das mißlingt und es kommt zu einem Kampf mit dem von Kevin erschaffenen Program Clu, das den Grid mittlerweile kontrolliert. Man entdeckt, dass Clu den Sturm mit einer Armee auf die reale Welt plant, doch es gelingt seine Pläne zu vereiteln und Sam kann zuletzt mit dem göttlichen Wesen das Grid verlassen (das ganze erinnert nicht nur optisch stark an Milla Jovovich im “5ten Element”), um in unserer realen Welt ..ja, was eigentlich? Na sagen wir mal alles zum Guten zu wenden.

Was Kann Tron Legacy?

Tron Legacy hat ein paar visuell gelungene Sequenzen, so zum Beispiel das Motorrad Battle, und ist rein optisch absolut gut anzusehen. Die Welt ist beeindruckend, die Designer haben die bereits im Original so unverwechselbare Optik gut eingefangen und technisch dem Stand der Dinge angepasst. Auch der Sound ist streckenweise gut gelungen, es macht richtig Spaß, wenn Daftpunk zum ersten mal von der Leine gelassen wird und der Fuß wippt automatisch eine Weile mit. Positive Erwähnung finden sollten auch die beiden NebendarstellerInnen Olivia Wild und Eddie Izzard. Die beiden spielen ihren Part ausgezeichnet und können nichts dafür, dass ihre Rollen zu unbedeutend sind, als dass wir mehr für sie empfänden.

Was kann Tron Legacy nicht?

Tron Legacy ist kein Film, den man gesehen haben muß. Die Story ist schwach, die Dialoge sind dünn, es kommt keine wirkliche Atmosphäre auf. Die Charaktere bleiben farblos, das ganze geht einem einfach gesagt am Arsch vorbei. Offenbar wurde nur an der Oberfläche gearbeitet – die Konzeption scheint clever, die Umsetzung bleibt herzlos. Wer durch die spannende Kollaboration mit Daftpunk ein neues, bahnbrechendes Interstella 5555 oder Ähnliches erwartet hat, wird bitter enttäuscht. Das Soundesign ist insgesamt altbacken, Daftpunk taucht nur hier und da mal auf und selbst die Szene, in der man Daftpunk immer mal wieder als Djs zu sehen bekommt,  wirkt eher lahm und ausgestellt, anstatt Enthusiasmus zu verbreiten. Vermutlich haben sich das Daftpunk auch anders vorgestellt – zumindest erweckt dieses Interview den Eindruck.

Auf den Punkt, warum Tron Legacy nicht erfüllen kann was es verspricht, bringt es die finale Szene: Das Program Clu tritt seinem Schöpfer gegenüber und kann nicht verstehen, warum dieser ihn verlassen hat. Clu hat in seinen eigenen Augen alles richtig gemacht und wie es von ihm verlangt wurde, getreu dem Motto “Perfektion”, die optimale Systemoptimierung geschaffen. Kevin Flynn kann nichts weiter machen, als sich bei Clu zu entschuldigen – eine menschliche Regung, die Clu als Schwäche begreift und angreift. Der Mensch als Programm, auf Perfektion getrimmt – die dem Film so spielerisch zugrunde liegende Thematik hätte ein unglaubliches Potential gehabt, gesellschaftlich, soziologisch, psychlogisch ist es das spannende Thema der Generation Facebook – leider blitzt möglicher Tiefgang im Film zu selten mal auf, der Tron Legacy kratzt nur an der Schale.

Vielleicht, wird manch einer sagen, wird Tron Legacy ja genau wie das Original erst viele Jahre später zum Kultfilm erhoben. Ich wage die Prognose: er wird es nicht. Der Mix aus Animationen, schwacher Story und platten Dialogen kommt nicht in Fahrt, keine Figur schafft es wirklich relevant zu werden. Da ist keine Empathie, irgendwie geht es um nichts, wenn jake am Ende losrennt, um die Welt zu retten. Dann prügelt er ein bißchen und einen Wimpernschlag später hält er bereits die ersehnte Disc in Händen. Dieser Film ist konstruiert, er läuft nach einem Standardschema ab und scheitert an der Liebe zu dieser wunderbaren Tronwelt, es wurde nicht wirklich mit dem Stoff umgegangen. Eine große Enttäuschung für alle Fans, am Ende möchte man den Filmemachern gegenübertreten und sagen “Hey come on. Im a User. Not a Program!”

Meine Bewertung: 3 von 10

Wer übrigens den Witz und die Idee von Tron generell fesselnd findet, dem sei “Tron 2.0” empfohlen – das bisher wohl überzeugendste Unterhaltungsprodukt aus der Tron Reihe. Das wenig beachtete Computerspiel greift mit viel Kreativität und Augenzwinkern die “Ich gehe in den Computer rein” Thematik auf und macht daraus ein besonderes Spieleerlebnis, das auch von der Kritik sehr positiv aufgenommen wurde.

Berglund

Berglund

David Lynch presents: Dumbland

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