Open letter to Valve:
„Steam Gaming Network – enforced & permanent game registration“

FEEL FREE TO COPY AND PASTE THIS, JUST INSERT YOUR NAME BELOW!

 

Berlin, 1.4.2012

Dear Michael Abrash, Mike Ambinder, Matthew An, Elizabeth Andrade, Ted Backman, Jeff Ballinger, Aaron Barber, Jeep Barnett, Mark Behm, Mike Belzer, Jeremy Bennett, Dan Berger, Yahn Bernier, Ken Birdwell, Mike Blaszczak, Steve Bond, Michael Booth, Antoine Bourdon, Charlie Brown,Tom Bui, Bill Van Buren, Tobin Buttram, Chris Carollo, Dario Casali, Matt Charlesworth, Greg Cherlin, dear Valve-Team.

First of all i want to take a moment and thank you for creating a platform, that has completely revitalized the PC gaming market and allows players around the world sharing their gaming and social experiences.
A new kind of model (as steam is one) can never be free of issues, but through excellent communication and response time, you make me being very optimistic to develop the service and maintain steam as a reasonable way of selling, purchasing and playing games of the next coming decades.

I want to bring your attention to a topic which probably has been pointed by people a lot of times in the last years – even brought to court from various people – such as consumer organizations, gamers from around the globe, normal people that feel a little pranked in their freedom of choice after purchaising a steam registration game and then realizing the consequences.

I am referring to the forced binding of games to a players account by the first installation – without any opportunity of resetting the game and removing it from your account after that, in order f.e. to resell it.
Why is it, that the german consumer protection association sued Valve in 2010 for the enforced binding of the product key to a single account? This Association is a good thing – it helps normal people that feel treated in an unfair way and restore their rights. As the reasonable people you are doing such a great project as steam you will probably agree with these social arguements.

Even if Valve won the case – why does Valve not react by its own philosophy on that issue, which is obviously frustrating thousands and thousands of your honest customers?

It is a matter of fact, that nobody is able to resell his honestly bought Pc Game, if it is registrated to steam once – even if you never played it. That means your customer feels exploited – he does not have the opportunity to buy and test a product and then decide to bring it back to the shop or to resell. He cannot resell it, because if he would – nowadays -, he would actually betray the buyer, selling him a needles box with a worthless „alreaday in use“ cd key. Just imagine the situation: You buy a product and test it at home. You realize, that its the wrong product. Now the products company says: „Hey, middlefinger. Its not our fault. If you like it or not – we have your money and that is the way it is: you are doomed to keep that thing until you die!“

What you, Valve, should do, is facing the truth of the tons of frustrations you put on millions of customers and do something about that really frustrating problem you created here. I cannot imagine, that you really want to embarrass us, your customers, any more. Especially now – where other gaming corporations try to start similar approaches and the public seems to be very aware of illegitimate strategies, you should be that one step further and do it better then your competitors.

If you, as a corporate identity, still have the idea of making a good product and the best service you can offer, if you really are interested to maintain Valves image of a real game obsessed developer with a heart for games and gamers, if you really want ongoing satisfaction of your customers (no „please“) – DO something about it.

It is technically no problem to allow the resetting of product keys. It should be normal, that if i decide to delete a game from my account, i then can give the game to a friend or resell it somewhere.

And please do not tell us, that it is possible to sell an account. Sure, that is possible. But let us be honest: which real gamer wants to sell his whole account he loves just because he bought one single game he wants to get rid of? It is definitly not in valves favour, seeing faithful steam users reselling their accounts because they wanna get rid of something they dont like anymore.

I would be happy to read from you,

Sincerely yours,

Adam Nümm
from Berlin, Germany.

Viecher als mobile PA (Boombox)

1. Idee

Die Internetforen sind voll davon und wenn ich Geld wie Heu hätte, wüßte ich, wo ich es jetzt investieren würde: In den Bau von Boomboxen. Allein daran, dass der alte und mittlerweile legendäre (nicht mehr gebaute) JVC Boomblaster bei ebay immer unglaublichere Preise erreicht, sieht man: die Leute wünschen sich eine portable Soundunit mit ordentlich Dampf, an die sie ihren MP3 Player anschliessen können. Ob zum Grillen im Park, zum Straßenkarneval, zum „Männertag“ auf dem Bollerwagen – oder um draußen eine Performance oder einen musikalischen Auftritt hinzulegen – die Einsatzmöglichkeiten einer mobilen „Boombox“ – also eines portablen Soundsystems, bestehend aus Lautsprecher(n), Verstärker mit Aux-Eingang und  integrierter Stromversorgung – sind vielseitig.

Entsprechend schnell reagiert jetzt der Markt – mehrere kleine Anbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten vor allem im Netz ihre Produkte an; es gibt Leute, die spezielle, optisch ansprechende Unikate in antike Koffer basteln und für ansehnliche Preise im Netz verkaufen und auch JVC hat (reichlich spät) die Produktion seines Boomblasters wieder aufgenommen – wenn auch mit einer neuen Produktpalette, die soundtechnisch nicht mehr an den alten JVC Klassiker heranreicht.

Diese Entwicklung hat zum einen damit zu tun, dass es mittlereile jeder gewohnt ist, seinen MP3 Player oder iPad einfach irgendwo „anzudocken“, um dann mit dem jeweiligen Gerät die Musik in laut abzuspielen. Man braucht also im Gerät selbst heutzutage keinen CD-Laser oder Kassettendeck mehr – Andockport oder AUX Eingang reichen, was zu einer krassen Explosion des Marktes sogenannter „Audio Docking Stations“ führte – die letztlich nichts anderes sind, als eine kleine Boombox – nur selten mit der Möglichkeit, Batterien zu verwenden (wer hat schon Lust unzählige dieser Supermarktbatterien zu verballern für minimale Laufzeiten..) und oft nicht wirklich kraftvoll im Bass.

Zum anderen ist diese Entwicklung auf den technischen Fortschirtt zurückzuführen, der es erlaubt, immer kleinere, leistungsfähigere Digitalverstärker herzustellen, die wenig Strom fressen, nicht zu heiß werden und respektabel klingen.

Und deswegen habe ich mich entschieden: ich baue mir eine Boombox selber.

Ich habe das Internet gefragt und bin über eine Bauanleitung gestolpert zu den sogenannten „Viechern“. Der Viech Bauplan wurde erstellt von Berndt „Cyburgs“ Burghard, etwa 2003 ins Netz gestellt und erfeut sich seitdem einer wachsenden Fangemeinde. Die Viecher sind sogenannte „Hörner“, also Lautsprecher, die im Innern wie ein Horn den Schallkanal langsam, ähnlich einem Schneckenhaus, öffnen. Ich las mir folgendes durch (aus der original Viech-Beschreibung des Erdenkers Berndt Burghard):

„..Also eine echte Spassbox mit Direktheit, Druck und Pegel für wahrscheinlich unschlagbare 50 Euro pro Box inklusive Treiber, Holz und Kleinteile. Ein Expo-Horn für den Beyma 8AG/N, auch genannt „das Viech“. Es ist mit 110x50x29 cm Außenabmessungen und 160 Liter Außenvolumen größenmäßig noch halbwegs auf der humanen Seite, ist für ein Basshorn relativ leicht zu bauen, und kommt pro Box inklusive Holz, Treiber und Kleinteilen auf etwa 50 Euro, was sicher kaum zu schlagen ist. Was kann das Viech? Es kann hauptsächlich einmal unheimlich Pegel. Der Wirkungsgrad ist 96 dB/W/m, bei 35 Watt Sinusbelastbarkeit kratzt das in der Simu an der 120 dB SPLmax Marke. Aber das Beeindruckendste ist, wie spielerisch das Viech bei bösen Pegeln andrückt. Die Dynamik ist hammerhart, Kickbass ist spürbar, fast eher in Richtung PA als Hifi gehend!“

Das reichte, um mich von der Sache zu überzeugen. Genau das, was ich suchte: Eine Box, die ordentlich Druck macht und auch für draussen im Park reicht, wenn man ein paar Techno Lümmel zum Wiegeschritt animieren möchte.

Dazu hatte ich die spontane Idee, eine Batterie für die Stromversorgung in den „Fuß“ der Box zu bauen. Das müsste doch gehen…

 2. Basteln

Gesagt getan – als erstes habe ich nach einem Amp (Amplifier=Verstärker) gesucht und wurde bei Amazon fündig: Der Mc Fun Silverstar 300W schien mir zwar ein wenig oll und ich war mir zunächst absolut nicht sicher, ob er für meine Zwecke genug Haare auf der Brust haben würde – aber der Preis ließ mich letztlich zuschlagen – womit das Projekt endgültig gestartet war. Die weiteren Zutaten folgetn teils per Mausklick (Teileliste siehe unten bei „Kostenaufstellung“) und ich machte mich ans Werk: Zuerst gings in den nächsten Baumarkt, wo mich der junge Mann vom Holzzuschnitt auslachte, als ich ihm, bewaffnet mit einer wirklich immens großen Ikeatüte, die Liste mit den Zuschnitten überreichte und dabei rein gar nichts verwunderlich fand. „Haste keen Wagen?“ fragte er und ließ mich mit einem Grinsen stehen, als ich verneinte. Einmal Leim besorgen später verstand ich seine Reaktion: als ich zurück war, erwartete mich ein riesiger Stapel Bretter. War der etwa für mich?

Ja, war er. To make a long story short: Macht nicht denselben Fehler wie ich. Besorgt euch ein Auto 🙂

Als nächstes ging es mit meinem Nachbarn in dessen Werkstatt (Fräsung und Gehrungsschnitte machen die beim Baumarkt zumeist nicht). Er erledigte die Gehrungsschnitte (das sind die Winkelschnitte, die manche Teile brauchen, vor allem für die Hornform im Innern wichtig) und fräste mir je das Kreisrund vorn für den AGN8 und ein kleines Rechteck auf der späteren Rückseite für die Kabelterminals. Ganz wichtig: Ich bohrte auf Höhe des Treibers ein kleines Loch in Teil B, durch das später das Speakerkabel verlegt wird. An Teil E schmirgelte ich eine der später im Innern liegenden Ecken weg – auch für die spätere Kabelführung:

Schon hatte ich alle Teile parat und machte meinen Küchentisch frei: Einen Nachmittag Leimen – dazu lieh ich mir 4 Holzzwingen, mit denen  das ganze ein Kinderspiel war. Ich verwendete ganz normalen Ponal Holzleim „Classic“, eine Flasche mit 225gr reichte völlig. Das einzige, worauf man beim Leimen achten muss, ist, dass man den beim Zusammenpressen evtl hervortretenden Leim schnell wegwischt. Generell ist der hervortretende Leim zu vermeiden, da er kaum zu überstreichen ist. Selbst mein dunkelgrüner Lack konnte an einigen Stellen den weißen, Gummi-artigen Leim nicht mehr ganz verheimlichen. Ich habe die Bretter immer mindestens 30 minuten in Pressung gelassen und die Stellen, die mit den Zwingen nicht zu erreichen waren, mit Gewichten belastet (siehe Foto).

Teil B ist auf diesem Bild noch nicht angeleimt. Ich empfehle, Teil B bereits vor der Leimung mit Noppenschaum auszustatten (Sprühkleber eignet sich ganz gut, aber auch jeder andere Kleber) und das Speakerkabel beim Leimen von E bereits in die Ecke zu „quetschen“.

Das Gehäuse war also auf dem Weg – ich machte mich nun daran, meine Batterie unter die Lupe zu nehmen. Ich hatte zunächst mal großen Respekt vor der Sache – wo Strom fließt habe ich einen inneren Instinkt, der mir immerzu sagt: „Vorsicht!“ – auch wenn man in vielen Foren ließt, dass 12V nich wirklich etwas anrichten kann, spielen Faktoren wie der Widerstand des menschlichen Körpers oder sogenannte „Spannungsspitzen“ eine nicht unwichtige Rolle. Die Sache mit der „Gefährlichkeit“ ist durchaus komplexer und nicht so einfach vom Tisch zu wischen – ich empfehle deshalb jedem, selber einmal danach zu googeln und niemals leichtsinnig zu sein.

Ich habe die Batterie erstmal aufgeladen, denn Sie wird im Leerzustand geliefert. Dazu hatte ich mir ein Ladegerät (Ansmann ALC s2, 30 Euro 2-24V) bei Conrad besorgt, das man auch auf dem Foto sehen kann. Dieses habe ich dann später  gegen ein Einhell BT-BC 5 Batterie-Ladegerät getauscht, dass doch eine deutlich höhere Ladespannung hat (und damit deutlich schneller lädt).

Als nächstes nahm ich den Mc Fun in Augenschein. Das kleine Gerät hat alles was ich für meine Zwecke brauche: Ein Audio-In per Chinch (hier kann man seinen Laptop oder andere geräte mit einem entsprechenden Adapterkabel problemlos anschliessen), einen offenen Stromanschluss, an den ich meine Batterie hängen kann und schließlich 2 Speakerkabel (also 2 „Kanäle“ – rechts und links). Des weiteren ist da ein Rädchen zum einstellen der Lautstärke (habe ich immer auf max stehen) und ein Schalter um einen High oder Lowfilter an/aus zu schalten. Letztere Filter verwende ich nicht. Soweit ich verstanden habe, geht es bei den Filtern darum, den Treiber vor bestimmten Frequenzen zu schützen (diese also zu filtern), was aber bei meinen AGN8 3Wege Treibern nicht nötig ist. („3Wege Treiber“ sind in der Lage, alle in Frage kommenden Frequenzbereiche zu empfangen und umzusetzen, ohne dabei Gefahr zu laufen, beschädigt zu werden. Würde man hingegen ein Subwoofersignal an einen kleinen Hochtöner schicken, wäre der recht schnell hinüber.) Den „High-In“ Eingang kann man getrost vernachlässigen – er wird hier nicht benötigt.

Einen An/Aus Schalter hat der Mc Fun leider nicht zu bieten, den müssen wir uns daher selber dran basteln (Schalter gibts in mannigfaltiger Auswahl fürn paar Cent bei Conrad). Das ist einfacher als man denkt: Einfach Das rote Pluskabel einmal abknippsen und das vom Amp kommende Ende zusammen mit dem gelben Remote-Kabel (das normalerweise vom Autoradio kommt und dem Amp sagt „Geh an!“) an die eine Seite des Schalters löten. Das von der Batterie kommende Ende an die andere Seite und fertig! Hält man jetzt das schwarze Masse („minus“) Kabel an die Batterie, geht die Power LED (bei angeschaltetem Schalter ) an ..und die Vorfreude steigt!

Das Problem, das mich zum Verzweifeln brachte

Meine Vorfreude allerdings war von sehr kurzer Dauer und ebbte nicht nur ab, sondern verwandelte sich schnell in den Frust des Laien, denn: die Power LED ging zwar an, aber als ich dan zum ersten mal einen Beyma anschloss, hörte ich: GAR NICHTS!

Ich formulierte mein Problem im Hifi Forum und trotz intensiver Fehlersuche wollte der Mc Fun nicht mit mir sprechen. Ich entschied mich schließlich, einen weiteren Mc Fun zu bestellen – in der Hoffnung, dass dieser dann Lösung bringen würde. Mein Frust steigerte sich nochmal eine ganze Portion, als ich den neuen Mc Fun ausprobierte und dasselbe (!) Phänomen vorfand. Power LED an, keinen Ton. Ich hatte bereits alle möglichen Treiber ausprobiert, ein weiteres Klinke/Chinch Kabel verwendet, alle möglichen Handys und MP3 Player – alles half nichts, es kam nix raus! Ich dachte öfters an das berühmte „Brett vorm Kopf“ und war mir irgendwie doch sicher, dass sich das Problem lösen lassen sollte.

Letztlich war es das Multimeter (Strommessgerät) eines Freundes, dass das Brett vorm Kopf dann bestätigte. Die Sicherung, die sich im roten plus Kabel befindet, war durch. Und zwar bei beiden MC Funs! Und tatsächlich, nachdem ich mir bei Conrad ein paar neue Sicherungen (5A 250V) geholt hatte, kam zum ersten mal was raus aus der Sache..

Nun war es nicht so, dass ich die Sicherungen nicht gleich zu Beginn mal gecheckt hätte. Ich hatte die Sicherung bei meinem ersten Mc Fun gecheckt, da war sie noch in Takt gewesen. Nur war sie vermutlich durchgebrannt, bevor ich die Speakerkabel an einen Treiber  halten konnte. Ob die Sicherungen letztlich durchgebrannt sind, weil ich in meiner Verzweflung alle mögliche Kabelverbindungen mal ausprobiert habe, oder weil sie einfach nur qualitativ minderwertig waren, kann ich im Nachhinein nicht sicher 100%ig sagen. Aber die Tatsache, dass die Sicherungen von beiden Mc Funs schneller als schnell durch gewesen sein müssen, lässt eher auf mangelnde Qualität schließen. Die neuen Sicherungen funktionierten nämlich auf Anhieb und ich habe im Netz auch andere Verzweifelte gefunden, die wie ich schon überlegten, einen ganz anderen Amp anzuschaffen, weil sich einfach keine Lösung finden lassen wollte..

Letztlich liefen meine Beymas also am Mc Fun und ich machte mich daran, die Gehäuse fertig zu machen. Den Noppenschaum hatte ich ja schon eingefügt, das Speakerkabel während des Leimens ebenfalls. Fehlte noch der Lack! Da ich zweimal angestrichen habe, brauchte ich etwa anderthalb Dosen und entschied mich für einen umweltfreundlichen, Lösungsmittel freien Lack auf Wasserbasis, den ich jedem sehr empfehlen kann und der auch Wind und Wetterfest ist! Vor dem Lackieren (mit Pinsel und Rolle) gilt es, evtl. unsaubere Passungen etwas abzuschmirgeln und nach Belieben auch alle Kanten ein gutes Stück zu bearbeiten – in meinem Fall habe ich mich bewußt dazu entschieden, diese Kanten erst nach dem Lackieren zu schmirgeln, for the special Look.

3. Sound

Wie Klingen die Viecher? Zuerst gab es auch hier, nach dem ganzen Stress mit der Sicherung, erstmal eine kleine Enttäuschung. Schließt man die Beymas einfach so an, ohne Klangkörper, klingen sie nich besonders. Auch war mir gleich aufgefallen, dass der Pegel alles andere als umwerfend war und das, obwohl ich mein Handy und den Mc Fun bis auf max hochgeschraubt hatte. Ich knirschte etwas mit den Zähnen und fragte mich, ob ich mich mit dem ganzen Projekt nicht vielleicht übernommen hatte, dass ganze eine Schnappsidee sei. Doch es sollte noch ganz anders kommen..

Sobald ich die Beymas angelötet hatte (was in meinem Fall gar nicht so einfach war, denn das Speakerkabel hatte ich ja schon in der Box, wo es recht recht unbeweglich eingeklemmt war.. – das könnte man sicher eleganter hinkriegen) und mit 2 kleinen Schrauben per Kraft ins MDF gedrillt hatte, wuchs meine Aufregung. Ich startete einen Track (diesmal von meinem Laptop) und nahm die noch fehlende Gehäuse Seite, um sie dranzusetzen. Ich hatte mir einen Spanngurt besorgt, der mir jetzt gute Dienste lesten sollte: Ich spannte ihn und konnte die Seite ideal andrücken. Die Box war jetzt vollständig, aber jederzeit wieder zu öffnen, für die ideale Dämmung mit der Wolle.

Der Sound war schon jetzt absolut gigantisch! Und der Pegel! Der absolute Wahnsinn! Mein Rechner war bei etwa 30% Volume und so ziemlich alle Nachbarn konnten zu diesem Zeitpunkt schon ordentlich mitwippen..

Nachdem ich die Box nach Variante 5 des Viechbauplans mit Watte (ganz zerzupft und daher recht leicht und locker) rund um den Treiber und einer etwas festeren Watterolle darunter perfekt gedämmt hatte, konnte ich guten Gewissens zu leimen! Diese Teile haben dermassen Druck – wozu brauche ich ZWEI davon?! Ich habe – wie hier zu sehen – unten einen Deckel mit Klettverschluss eingerichtet, damit man jederzeit und schnell Zugriff auf Batterie etc. hat.

Der Klang der Viecher ist einfach klasse! Sie sind warm, haben einen enorm eindrucksvollen Bass und ausgewogene Mitten, keinerlei störende Elemente. Am meisten Spaß machen mir technoide Tracks mit ordentlich Drive. Man kann aber auch sehr ausgewogen leise damit hören.

Anmerkung: Wer sein Viech fertig gebaut hat und plötzlich bei einem ihm wohlbekannten Track merkt „Ey! Wo ist der background Chor?! Wo ist die Gitarre an der Stelle?! Fehlen da krass die Mitten oder was?!“ dem sei gesagt: EIN Viech macht ja nur EINEN KANAL. Gerade bei älteren Aufnahmen sind die Mischungen oft unterschiedlich, so dass ein Kanal zB. das Schlagzeug wiedergibt der andere die Gitarre. Also kein Grund zur Sorge!

4. Kostenaufstellung

Mit „fünfzig Euro pro Box“– wie von Berndt Burghard, dem Urvater der Viecher, ursprünglich beschrieben – kommt man bei weitem nicht hin – selbst dann nicht, wenn man die Viecher für die normale Heimanwendung baut, ohne weiteren Schnickschnack wie Batterie oder Amp. Vielleicht war das vor ein paar Jahren mal so, aber ich bezweifle das. Es gibt dafür insgesamt einfach zuviele Sachen, die man außer Holz und Treibern noch braucht. Hier mal die Teileliste:

Mc Fun Silverstar 300W – ca. 20 Euro inkl Versand

2x Treiber Beyma AGN8 2×38 Euro plus Versand – ca 80 Euro

Das Holz: 90 Euro bei Hellweg für die Zuschnitte, bei derzeit ca 20 Euro der Quadratmeter MDF 19mm. Das Holz muss dann ja noch mit Gehrungsschnitten versehen werden und stellenweise ausgeschnitten werden – wer das nicht selber machen kann, zahlt dafür auch nochmal bei einem tischler o.ä. – Hellweg macht sowas generell nicht.

12 Volt Batterie mit 28 Amperestunden (reicht vermutlich viele Stunden..) 60 Euro inkl Versand

Außerdem:

2 Dosen Lack – eine Dose hat bei mir nich gereicht, habe aber auch zwei Anstriche gemacht für ein besseres Ergebnis (Lack an sich muss man natürlich nicht haben, empfehle ich aber sehr. Ist einfach geil, wenn die Teile am Ende nich nur fett klingen, sondern auch optisch wegbassen..) je Dose ca 10 Euro, bitte immer nur Lack auf Wasserbasis (ohne Lösungsmittel) benutzen!

..uuund weiterhin: Sicherungen, Speakerkabel, Kabelschuhe, Kippschalter, 2 Klinkenbuchsen, Lötzinn, Dämmwatte, Noppenschaum, Schmirgelpapier und dafür einen Klotz, Leim, Klettband, evtl. Schaumgummi für die Unterseite

Den meisten Kleinkram kriegt man bei Conrad Elektronik. Dämwolle, Noppenschaum (Klang) und Moosgummi (Unterseite gegen Witterung) – habe ich für je nen Zehner im Netz besorgt. Hab hier jetzt noch einiges über von dem Noppenschaum, aber wegen Porto kriegt man das ganze kaum günstiger..

Macht unterm Strich:

ca. 170 Euros für die Spaßbox!

Wenn man das mit den „Alesis“ oder „Ibiza“ Fertigboxen vergleicht, weiß man, das man was richtig gemacht hat!

Wer, wie ich, noch eine weitere Box für den linken bzw rechten Audiokanal baut, hat für die weitere Box natürlich deutlich weniger Ausgaben, da Batterie und Amp ja wegfallen. Für die weitere Box fallen nochmal etwa 100 Euro an.

5. Fazit

Ich bin glücklich! Was soll ich noch groß sagen? Die Viecher machen ihrem Namen alle Ehre!  Der Bass jagt  mir ein teuflisches Grinsen in die Fresse und ich kann es kaum erwarten, die Teile am Wochenende in den Park zu schleppen! Ich kann nur jedem empfehlen, der überlegt, sich eine Spaßbox zu bauen: Nehmt Euch ein paar Tage Zeit, druckt Euch den Viechbauplan noch heute aus und holt Euch das Holz im Baumarkt! Das ganze macht richtig Spaß und ist ein absoluter Preisleistungshammer! Ich glaube nicht, dass es an der Rechnung irgendetwas auszusetzen gibt. Eine Behringer Eurolive beispielsweise (PA Box im unteren Preissegment) kann gegen ein Viech mal ganz einfach ne Runde abkacken und hier gibts für einige Euronen weniger  auch noch ne 10 oder 20 Stunden Stromversorgung dazu.. Und jetzt hör ich auf mit meinem Salmon und drehe mal laudaaaAAA!

Viel Spaß beim Selber-Bas(s)teln!

Mein herzlicher Dank geht an:

Meinen Nachbarn mit der sexy Stimme; Einen sehr versierten Quake Live Spieler, der mir Tacker und Lötkolben für gewisse Stunden besorgte; Alex und Kalle und das www.hififorum.de

 

***EDIT am 15.6.2012***

Ich habe auf Anraten eines Kollegen, der sich besser mit Audiotechnik auskennt, meinen Mc Fun Amp gegen einen Mac Audio MPX 2000 Auto-Verstärker ausgetauscht. Das Ergebnis ist schlicht und einfach überwältigend. Die Viecher wachsen förmlich über sich hinaus, der reine Wahnsinn! Jetzt werden die Viecher zum ersten mal (annähernd) ausgelastet: da die Beymas 35W rms an 8 Ohm sehen wollen (der McFun kann maximal 15W rms). Mir wurde erklärt, dass die 60W rms an 4 Ohm nur 30W rms an 8 Ohm entsprechen. Somit fehlen noch 5, um auf die 35 vom Beyma zu kommen… Keine Ahnung ob das wirklich exakt so stimmt oder eher Theoriesoße ist – soweit ich gelesen habe, gehen die Meinungen da auseinander, zumal heute nicht alle 8 Ohm Lautsprecher echte 8 Ohm Lautsprecher sind.. Letztlich sind die Viecher jetzt jedenfalls deutlich lauter, bei einem mächtigen Bass, der körperlich erlebbar ist. Das wirkt sich natürlich auf den Stromverbrauch aus. Ich habe noch keine Erfahrungswerte, schätze aber, dass ich mit der 28Ah Batterie (hoffentlich!) 5 Stunden Voll-Last fahren kann. Der Mac Audio ist leider zu groß, als dass er unten in das Fach passen würde. Da muss ich jetzt mal überlegen wie ich das löse. Ich überlege auch, eine stärkere Batterie zu kaufen, und dann vielleicht alles in eine zusätzliche Kiste zu verbauen.

LEUTE:

ALSO ES IST MEINER ERFAHRUNG NACH ECHT KEIN PROBLEM 8 OHM SPEAKER AN NEN 4 OHM AMP ANZUSCHLIESSEN!! DAS GING BEI DEN BEYMAS EBENSO PROBLEMLOS WIE MIT EINER SAMSON MONITOR BOX DIE ICH JETZT AB UND ZU BENUTZE!!!

***EDIT***

Ich habe nun einen Axton A490 und eine 120Ah Bootsbatterie in einen Fahrradanhänger gebaut. Da man beide Viecher auch auf eine Sackkarre bekommt ist das System immer noch zu zweit (zu Fuß) bewegbar. Mit dem neuen Axton werden die Beymas nun komplett ausgelastet, der kann ca 70 W RMS je Kanal! Auch den Laptop die ganze Zeit zu laden ist nun kein Problem mehr sowie einige LED Lampen anzuschliessen, falls es mal dunkel wird – der Strom hält schlicht: ewig. Und so sieht das ganze aus:

LINKS

—> Viech-Bauplan

—> ursprünglicher Thread von „Cyburgs“ im Hifi Fourum

—> Conrad.de

Farce: „Kony 2012“

KenFM bringt es (siehe Video unten) auf den Punkt: Warum „Kony 2012“ nur eine verzerrte und völlig unzureichende Darstellung ist und der Hype einige Sorgenfalten auslösen sollte.

Ja – es muss sich was in dieser Welt ändern, die von der Dominanz einiger Mächtigen, Ausbeutung und Kriegstreiberei überschattet ist. Aber es reicht nicht, sich ein Kony Armbändchen für 20 Dollar zu kaufen und ohne weiteres Hintergrundwissen den Einsatz von amerikanischen Streitkräften in einem beliebigen Land damit zu rechtfertigen, dass da „ein Böser ist, der weg muss ..aber bitte sofort!“
Ja – es gibt Verbrecher in der Welt, die ins Gefängnis gehören (und Kony ist, soweit ich das beurteilen kann, einer von Ihnen).

Aber niemand sollte voreilig davon ausgehen, sich durch das sehr fragwürdige Video eine klare Sicht auf eine weit komplexere Sache verschafft zu haben.

Die weltweite, altbekannte und andauernde Brachialdominanz der USA und ihre Lynchjustiz „im Auftrag der Freiheit“ gehen ungebremst weiter und die Mittel werden ausgeklügelter. Mit modernster, digitaler Social-Network Propaganda scheint man gerade dabei zu sein, die Art und Weise neuer, medialer Täuschungsmanöver auf ein völlig neues Level zu heben. Selbst wenn Jason Russell, der Macher des Kony 2012-Videos (das sich in den letzten Tagen wie kein anderes Video in der Geschichte viral über den Planeten verbreitete) mit echter Leidenschaft für seine „White-American-Student-rescues-Africa-from-Evil“ Sache kämpft, ist es alarmierend, wie schnell heute einseitige und oberflächliche Informationen zu  Massenhysterie und emotionaler Legitimation eines militärischen Einsatzes führen können.

Das Experiment, von dem Russel zu Beginn des Filmes spricht, ist geglückt. Fragt sich nur, wem das am Ende wirklich was nützt.

Questions and no answers..

  • Wie konnte sich das Video derartig schnell verbreiten?
  • Wie kommt es, dass der Film offenbar eine Ergreifung Konys in Uganda propagiert, sich aber alle seriösen Informationsquellen inklusive ugandischer Menschen, die darüber ausführlich bei Youtube berichten, sich einig darüber sind, dass Kony seit einigen Jahren nicht mehr in Uganda ist und er (selbst wenn er es wäre) heute längst nicht mehr ein so bedrohliches Thema ist wie er es in den Neunzigern war (als seine Taten wiederholt in den Medien berichtet wurden)?
  • Wozu wurden jetzt amerikanische „Advisors“ nach Uganda geschickt?
  • Warum leiten „Invisible Children“ nur 32 Prozent der erhaltenen Spenden tatsächlich an wohltätige Zwecke, wo doch die komplette Weitergabe von Spenden bei bekannten Wohltätigkeitsvereinen als selbstverständlich gilt?
  • Wie genau will Jason Russell Kony zur Strecke bringen? Was soll das für eine „App“ sein, die er –> bei einem Fernsehauftritt kurz vorgestellt hat?

Die ugandische Rosebell Kagumire und ihre hörenswerte Sichtweise:

„The group [Anm.: Invisible Children) is in favour of direct military intervention, and their money supports the Ugandan government’s army and various other military forces. Here’s a photo of the founders of Invisible Children posing with weapons and personnel of the Sudan People’s Liberation Army. Both the Ugandan army and Sudan People’s Liberation Army are riddled with accusations of rape and looting, but Invisible Children defends them, arguing that the Ugandan army is „better equipped than that of any of the other affected countries?, although Kony is no longer active in Uganda and hasn’t been since 2006 by their own admission. These books each refer to the rape and sexual assault that are perennial issues with the UPDF, the military group Invisible Children is defending.“(von —>  http://visiblechildren.tumblr.com/ )

—> „Stop Kony, Yes – but dont stop asking questions“ by Musa Okwonga

—> Interview & Videos mit Jason Russell bei Jezebel.com

—> Wer regiert in Uganda?

Und hier noch (weils einfach herrlich parodistisch einige Punkte trifft) „The definitive Kony 2012 Drinking Game!“

Filmtipp: „The Corporation“

Ich habe mir heute seit längerer Zeit mal wieder den kanadischen Dokumentarfilm „The Corporation“ (2003) angeschaut. Der Film hat mich wieder sehr berührt und aufgerüttelt. Ich kenne keinen Film, der die Entwicklung unserer kapitalistischen Weltordnung besser auf den Punkt bringt und Zusammenhänge deutlich macht.

Von der Gründung der ersten Konzerne während des Bürgerkriegs in Amerika, über die Entstehung der „rechtlichen Personifikation des Konzerns“ und die damit verbundene Abgabe von Verantwortung der Mitarbeiter, die chemischen Errungenschaften und den industriellen Boom des zwanzigsten Jahrhunderts bis zur aktuellen Bedrohung der demokratischen Staaten durch übermächtige Finanzoligarchen, für die auch Kriege ein legitimes Mittel zur Profitmaximierung darstellen, gibt der Film auf erschütternde und ernüchternde Weise Einsichten in die Funktionsweise einer Maschine, die den Weltfrieden unter allen Umständen zu verhindern droht.

„The Corporation“ macht zuletzt aber auch Hoffnung und ruft jeden einzelnen Bürger auf, aktiv zu werden im Kampf für mehr nachhaltige Industrie und gegen die Übermacht der ausbeuterischen Konzerne, gegen einschlägige und gekaufte Medien, Lobbyismus und Privatisierungen, für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten, Umverteilung des Reichtums und die Wahrung und Ausarbeitung unserer Menschenrechte.

Jetzt, wenige Stunden nach der Räumung der zentralen Protestcamps der Occupybewegung in New York und andernorts, kommt der Dokumentation eine noch größere Bedeutung zu.

Wird es in nächster Zeit keine grundlegenden Veränderungen in unserer Welt geben, könnte der Film zu einem tragischen Dokument einer prä-apokalyptischen Zeit werden, das eindrucksvoll die globalen Strukturen und psychologischen Mechanismen eines menschengemachten, zerstörerischen Komplexes darlegt, wie viele ihn bisher wohl nur aus düsterer Science Fiction kennen.

Links:

Niemand kann den Moment der Revolution vorherbestimmen

Avaaz – die Welt in Aktion

Protest Europas Jugend

Attac Deutschland

Zeh/Trojanow: Angriff auf die Freiheit

„Ein politischer Warn- und Weckruf“ NZZ

Das Autoren Duo leiset mit „Angriff auf die Freiheit“ eine engagierte Kampfschrift, die auf unprätentiöse Weise klarstellt, wie sehr die Grundewerte unserer mit viel Mühe erschaffenen Demokratie immer mehr unter Beschuß geraten, ohne dass die meisten davon mitbekommen. Noch, sagen die Autoren, sei es nicht zu spät aufzuwachen und den von Amerika zu uns hinüberschleichenden Prozess der Eingrenzung unserer Grundrechte aufzuhalten. Aber es ist allerhöchste Eisenbahn, und eine düstere Zukunft könnte  schneller als geahnt vor unserer Haustür stehen, wenn nicht bald auch der „politisch uninteressierte Bürger“ dieses Buch in die Hand nimmt und anfängt, sich Gedanken zu machen!

Am besten bestellt ihr dieses must read Buch (als Taschenbuchausgabe nur 7,90)  gleich mehrmals, das Buch sollte von jedem (auch in Schulen!) gelesen werden und eine Gelegenheit zum Verschenken findet sich immer.

 

Leseprobe:

Wenn wir Angst haben, raschelt es überall.
Sophokles

Früh raus. Der Wecker klingelt. Es ist noch dunkel. Nicht gleich Licht machen, eine Minute auf dem Bettrand sitzen bleiben. Die Morgenluft einatmen. Das Fenster ist gekippt, die Tür zum Flur offen. In der Küche wartet die Espressomaschine. Wo sind die Hausschuhe? Sich strecken, aufstehen, das Licht anknipsen.

Sie ziehen den Vorhang am Küchenfenster zu, damit der Nachbar von gegenüber nicht hereinschauen kann, für alle Fälle, denn eigentlich schläft der an Wochentagen so lange wie Sie am Wochenende. Sie kochen sich einen doppelten Espresso, in ihrer großen Lieblingstasse, damit Platz bleibt für die Milch. Sie führen die Tasse zum Mund, sie pusten ein wenig, dann nehmen Sie einen Schluck. Jetzt kann der Tag beginnen. Sie setzen die Tasse auf dem Tisch ab. Am Rand haben Sie zwei wunderschöne Fingerabdrücke hinterlassen. So scharf konturiert und vollständig wie die in Ihrem Reisepaß. Oder die in den Datenbanken der U.S. Customs and Border Protection, seit Ihrem letzten Sommerurlaub in Florida. Beruflich sind Sie viel unterwegs? Dann kennt man das Muster auf der Kaffeetasse, die Sie gerade ins Arbeitszimmer tragen, auch in Schweden, Georgien und im Jemen.

Wie jeden Morgen rufen Sie Ihre privaten E-Mails ab. Die sind schon überprüft worden – nicht nur von Ihrem Virenscanner. Sie haben noch ein paar Minuten Zeit, bevor Sie zur Arbeit müssen, also rufen Sie die eine oder andere Webseite auf – die Kripo weiß, welche, wenn sie möchte, und kann das auch in sechs Monaten noch überprüfen. Sie nehmen schnell noch eine Überweisung vor, die Ihnen gerade eingefallen ist – die zuständigen Behörden wissen, an wen. Zum Glück heißen Sie Müller, das schützt ein wenig. Bei Ihrem Kollegen Tarik al-Sultan, der neulich zum Bergsteigen in Kaschmir war, verschickt der Computer gerade den gesamten Inhalt der Festplatte an den Verfassungsschutz. Greifen Sie etwa gerade nach dem Telephon, um mit Tarik etwas Vertrauliches zu besprechen, das nicht ins Büro gehört? Lassen Sie es lieber sein. Besuchen Sie ihn zu Hause, wenn Sie ungestört reden wollen. Es sei denn, Tarik wurde als Gefährder eingestuft, weil er regelmäßig Geld an seinen arbeitslosen Cousin in Pakistan schickt. Dann ist seine Wohnung ohnehin verwanzt.

Sie eilen zur Haustür hinaus. Die Überwachungskamera Ihres Wohnkomplexes beobachtet jeden Ihrer Schritte. Auch beim Betreten der U-Bahn-Station werden Sie gefilmt, ebenso auf dem Bahnsteig und in der Einkaufspassage, wo Sie eine Zeitung kaufen. Haben Sie schon mal versucht, vor einer Überwachungskamera unschuldig zu wirken? Das ist noch schwieriger, als auf einem gestellten Photo natürlich zu lächeln. Warum wandert Ihr Blick ständig nach oben? Zweimal haben Sie direkt in die Kamera geschaut. Und jetzt greifen Sie sich schon wieder ins Haar. Wenn das noch einmal passiert, wird die biometrische Verhaltensanalyse den Alarm auslösen. Warum sind Sie so nervös? Laut Ihrer Patientenkarte bekommen Sie seit neuestem Beruhigungsmittel verschrieben. Und die Paybackkarte verzeichnet einen erhöhten Alkoholkonsum. Sie haben am Bankautomaten wieder 1000 Euro abgehoben. Wozu brauchen Sie so viel Bargeld? Außerdem ist Ihr Stromverbrauch im letzten Monat um 12,4 Prozent gestiegen. Verstecken Sie jemanden? In der Stadtbibliothek leihen Sie sich in letzter Zeit merkwürdige Bücher aus, über zivilen Ungehorsam und die Pariser Kommune. Reichen Ihnen die historischen Schmöker nicht? Und diese regelmäßigen Zahlungstransfers nach Südfrankreich? Wofür? Warum sind Sie letzte Nacht eigentlich so lange um den Block gelaufen? Sie hatten Ihr Handy nicht ausgeschaltet – da weiß man genau, wo Sie sind.

Nach der Arbeit steigen Sie ins Auto, um etwas Persönliches zu erledigen. Verzichten Sie auf die Verwendung Ihres Navigationssystems. Andernfalls läßt sich leicht herausfinden, wohin Sie fahren. Machen Sie einen Umweg, meiden Sie die Autobahn mit den ganzen Mautstationen. Sie fragen sich bestimmt schon, warum Ihnen so hartnäckig aufgelauert wird? Warum gerade Ihnen? Es gibt doch keinen Grund, aus dem sich irgend jemand für Sie interessieren könnte.

Sind Sie sicher?

Sind Sie absolut sicher?

Haben Sie nicht neulich gegen den G-8-Gipfel demonstriert? Dann verfügt die Polizei sogar über Ihre Geruchsprobe. Haben Sie nicht bis vor kurzem in jenem Studentenwohnheim gelebt, in dem auch ein gewisser Abu Mehsud untergekommen war? Das waren gar nicht Sie, das muß ein anderer Müller gewesen sein? Na, wenn man so heißt, liegt eine Verwechslung nahe, selber schuld. Und wie steht es mit Ihrer Lebensgefährtin, die kauft jede Menge Haarfärber, Fleckenlöser und Batterien. Das bedeutet: Wasserstoffperoxid, Azeton, Schwefelsäure! Halten Sie uns für blöd? Daraus kann jeder Idiot eine Bombe bauen. Natürlich behaupten Sie, Ihre Lebensgefährtin habe nicht vor, eine Bombe zu bauen. Das würde jeder antworten. Sollten Sie allerdings die Wahrheit sagen – wo liegt dann das Problem? Wir helfen Ihnen doch nur, diesen leidigen Verdacht aus der Welt zu schaffen, indem wir genau hinschauen. Das muß doch auch für Sie eine Erleichterung sein.

Kein Grund zur Beunruhigung also. Alles geschieht zu Ihrem Besten. Der Staat paßt auf Sie auf. Der Staat ist Ihr Vater und Ihr Beschützer. Er muß wissen, was seine Kinder treiben. Wenn Sie nichts Schlimmes verbergen, haben Sie auch nichts zu befürchten. Die Entscheidung aber, was schlimm ist, überlassen Sie bitte den Spezialisten. Bedenken Sie, daß Sie sich verdächtig machen, wenn Sie nicht alles offenlegen. Wenn Sie mitspielen, müssen Sie keine Angst haben. Wir sind nicht die Stasi oder das FBI. Sie leben in einer gesunden Demokratie. Da kann man schon ein bißchen Vertrauen von Ihnen erwarten.

Was? Der Staat soll Ihnen vertrauen? Wo kämen wir da hin! Schon das Grundgesetz sagt, daß alle Gewalt vom Volke ausgeht. Und Gewalt gilt es einzudämmen. Da sind Sie ja wohl einer Meinung mit dem Innenministerium. Gehen Sie nur, Ihr Schatten bleibt hier. Man hört, sieht und liest von Ihnen.

Achtung bitte, wir unterbrechen diesen Text für eine wichtige Durchsage: Dies ist keine Science-fiction. Wir wiederholen: Keine Science-fiction. Dies ist nicht 1984 in Ozeanien, sondern das Jahr 2009 in der Bundesrepublik. Falls Sie sich immer noch nicht verdächtig fühlen – herzlichen Glückwunsch. Sie sind ein unbeugsamer Optimist. Wollen wir hoffen, daß Sie nicht soeben durch den Kauf dieses Buchs zu einem verdächtigen Optimisten geworden sind.

————————–

Das Autoren Duo im Gespräch im Literaturhaus:

Trotz Verheimlichung von Messdaten:
Fukushima stößt Neue Anti-Atom-Bewegung in Deutschland an

Wie sehr das Vorhandensein von Informationen über den Protest oder Nichtprotest eines Volkes bestimmt, läßt sich derzeit außerordentlich gut am Beispiel von Fukushima beobachten. Während in Deutschland am vergangenen Wochenende eine Viertelmillionen Menschen für den Atomausstieg demonstrierten, gingen in der japanischen Hauptstadt Tokio (knapp 37 Millionen Einwohner) ca. eine Woche nach der vielleicht schwersten menschengemachten Umweltkatastrophe aller Zeiten geschätzte 1000 Demonstranten auf die Straße.

Die erschreckende Mehrheit der Japaner scheint in keiner Weise zu ahnen, welche Gefahren die atomare Stromgewinnung birgt und was ihrem Land noch bevorsteht – oder anders ausgedrückt: bis der Großteil der japanischen Bevölkerung in vollem Umfang begreifen können wird, was sich unmittelbar nach dem Erdbeben am 11. März 2011 tatsächlich in ihrem Land ereignete, werden noch etliche Jahre vergehen. Die mediale Berichterstattung vor Ort ist offensichtlich bis zu einem haarsträubenden Maß manipuliert, bzw. verharmlost.


Campact initiiert erfolgreich größte Demo (KLICK HIER!)

Fakt ist, dass die Fehlinformation trotz modernster Informationstechnologie einwandfrei zu funktionieren scheint. Vielfach wurde darüber berichtet, wie „normal“ das Leben auf Tokios Straßen weiterging. Lediglich die wöchentlich stattfindende, sehr kleine, öffentliche Versammlung einiger weniger Atomkraftgegner bekam etwas Zuwachs, sodass gut eine Woche nach der Katastrophe tatsächlich nicht mehr als ca. 0,002% der Stadtbewohner gegen AKWs auf die Straße gingen – ein Prozentsatz, mit dem die Regierung sicherlich gut leben kann.

Diese privaten Videoaufnahmen von einer etwa tausendköpfigen Anti-Atomkraft Demo in Tokio ca. eine Woche nach Fukushima wirken in Anbetracht der Ereignnisse schon fast surreal:

Interessant ist sicherlich die Fragestellung, was passieren würde, wenn die Japaner in etwa die Einstellung der Deutschen zu AKWs hätten. Vielleicht wären die Proteste so drastisch gewesen, dass deren Folgen wiederrum verheerende Konsequenzen ergeben hätten. Oder andersherum gesponnen: zu welcher Reaktion würde ein Super GAU in Deutschland führen? Könnte allein die Information über deutlich erhöhte Messwerte in Deutschland zu Unruhen und unerwünschten Protestbewegungen führen?

Derartige Fragen schienen (und scheinen) zurzeit auch die Mächtigen in Deutschland zu beschäftigen. Laut dem renommierten Wissenschaftler und Sprecher des Deutschen Strahlenschutzes Sebastian Pflugbeil, wies der Deutsche Wetterdienst nach dem 16. März die Deutschen Messstationen an, keine Daten mehr zur Radioaktivität zu veröffentlichen. Unglaublich, aber offenbar die trauruge Wahrheit – hier der Ausschnitt der Nachrichtensendung bei N24:

Ältere Beiträge